Medien: "Illusorisch", dass Russland die WM 2018 verliert - WM 2018

Medien: "Illusorisch", dass Russland die WM 2018 verliert - WM 2018

23.12.2016 11:30:00
WM 2018
Die in deutschen Kreisen der Politik laut gewordene Forderung, man möge Russland die Austragung der WM 2018 im Fußball entziehen, stößt hierzulande auf viel Gegenliebe. Die Überführung des russischen Sports als systematisch manipulierender und betrügender hat die Sympathien für Russland als Hort des wichtigsten Sportereignisses der Welt noch einmal weiter in den Keller rutschen lassen. Angesichts von Korruptionsvorwürfen rund um die Vergabe der WM 2018 nach Russland waren diese Werte aber ohnehin schon niedrigst gewesen. Allein: Die Forderung nach einem anderen Austragungsland für die kommende WM sei illusorisch, kommentieren große deutsche Medien.

Infantino lehnt Boykotte ohnehin ab

Die FIFA sei nicht die „Weltpolizei“ - und erst keine „Antidopingpolizei“. Diese Worte stammen allerdings nicht aus den deutschen Medien, sondern aus dem Mund von Gianni Infantino, dem Präsidenten der FIFA. Boykotte oder Ausschlüsse seien ohnehin kein probates Mittel, um eine Lösung herbeizuführen.

Dennoch darf die Fußballwelt zu Recht fragen, was der McLaren-Report für den Umgang mit dem russischen Fußball bedeute. Der Report des Juraprofessors aus Kanada nennt mehr als 1.000 Namen von russischen Athleten, die von dem in Russland staatsmäßig organisierten Doping profitiert hätten. Sprengstoff bietet dieser zweite Report von McLaren für den Fußball vor allem deshalb, weil auch russische Fußballer unter den systematisch gedopten Spielern gewesen sein sollen. Allerdings bestreitet Russland weiterhin vehement, dass diese Dopingfälle durch Beteiligung des Staates zustande gekommen seien.

FIFA kündigt an, Dopingfälle zu begutachten

Natürlich kündigte Infantino an, dass man sich mit allem befassen werde, was der McLaren-Bericht zum Thema Doping im Fußball ans Tageslicht brächte. 33 Proben aus dem Fußball seien problematisch gewesen, entweder weil sie positiv waren, oder weil sie offenkundig manipuliert waren, verrät der McLaren-Report. Allerdings verfüge man bei der FIFA noch nicht über die relevanten Informationen, können also noch nicht handeln. Bei allem Versprechen, diese Dopingfälle zu bearbeiten, ändert sich aber nichts an der grundlegenden Haltung der FIFA, die WM in Russland davon unbenommen durchzuführen.

Ganz andere Reaktionen in den Wintersportverbänden

Andere Sportarten hatten da vollkommen anders reagiert. In den letzten Wochen hatte erst der Bob- und Skeleton-Verband die Austragung seiner WM in Sotschi zurückgezogen. Ersatzort wird jetzt das deutsche Königssee. Hier hatten Südkorea und Lettland einen Boykott in Aussicht gestellt. Dann zog auch der Biathlonverband nach, bzw. Russland reagierte selbst und verzichtete auf den Weltcup in Tjumen sowie eine auch in Russland geplante Junioren-WM. Im Biathlon hatten allerdings auch Verbände wie Tschechien, Großbritannien und das in diesem Segment sehr mächtige Norwegen offen mit einem Boykott der WM gedroht. Beide Verbände wollen erst dann wieder Veranstaltungen in Russland austragen, wenn der Kampf in Russland gegen Doping nachweislich ernst genommen werde.

Keine realistische Möglichkeit, nicht in Russland zu spielen

Derlei Druck - ob nun Forderung nach Absetzung von Russland oder Androhung eines Boykotts - ist auch von den mächtigen Fußballverbänden wie dem DFB oder jenen Spaniens oder Italiens mit Sicherheit nicht zu erwarten. Insofern liegen deutsche Medien mit ihren Einschätzungen richtig, dass man eine Neuvergabe der WM 2018 nichts anderes bleibt, als es mit einem Wort zusammenzufassen ist: illusorisch.