Sklaven aus Nordkorea auf russischer WM-Baustelle - WM 2018

04.04.2017 20:00:00
Sklavenarbeit bei der WM 2018
Die WM 2018 in Russland scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Jüngst wurden Berichte bekannt, wonach auf Baustellen in russischen Stadien, Arbeiter "wie Sklaven" arbeiten müssten. Die Geschichten klingen dabei schon nach alten Bekannten: Sowohl rund um die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi als auch im Zuge der WM 2022 in Katar wurde und wird immer wieder von erbärmlichen Bedingungen für die Arbeiter berichtet.

In dem konkreten Fall, der von norwegischen Journalisten aufgedeckt worden ist, geht es um den Bau des Stadions in St. Petersburg. Unter politischem Druck wurde dieses Stadion bereits vor Kurzem eröffnet, obwohl es noch immer nicht vollständig fertig gestellt ist. Auf dem Gelände der Baustelle sollen mindestens 110 Nordkoreaner arbeiten und leben. Lohn erhalten sie hierfür kaum, vielmehr soll dieser als Devisen an die politische Führung in Nordkorea ausgezahlt werden. Die Arbeiter sind demnach auch von ihrer Regierung ausgewählt und haben wohl kaum eine Wahl den Dienst im russischen Stadionbau nicht anzutreten. Vornehmlich sollen Arbeiter mit eigenen Familien ausgewählt werden, da diese einen höheren Anreiz haben, nicht zu fliehen. Angeblich erhalten die Arbeitskräfte umgerechnet neun Euro für ihre Dienste. Nordkorea soll die zwangsweise Entsendung von Arbeitskräften ins Ausland systematisch betreiben und auf diese Weise rund zwei Milliarden Dollar an Devisen einnehmen.

Die Dunkelziffer, der unter extremen Bedingungen Arbeitenden dürfte um ein Vielfaches höher sein. So geht man von vielen Gastarbeitern aus den zentralasiatischen Republiken in Russland aus, denen ein großer Teil ihres Lohns vorenthalten wird. Der Druck, den die Organisatoren spüren, geben sie auf diese Weise nach ganz unten an bis an jene weiter, die sich letztlich nicht mehr zur Wehr setzen können. Und beim Stadionbau steigt der Druck. So zum Beispiel beim Bau des Stadions in St. Petersburg. Die Eröffnung wurde vor der Fertigstellung politisch durchgesetzt. Zuvor wurde die Eröffnung in den letzten acht Jahren mehr als zwanzig Mal nach hinten verschoben. Die Baukosten wurden mal mit 190 Mio. Euro angesetzt; mittlerweile stehen 1,5 Mrd. Euro Kosten im Raum inkl. der Aufforderung an die lokalen Bauunternehmen, auf Geld für ihre Arbeiten zu verzichten und dafür langfristig Bauaufträge zu erhalten.

Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, was mit den Gastarbeitern im russischen Stadionbau geschehen wird: Als im russischen Sotschi im Zuge der Olympischen Winterspiele zunächst viele Gastarbeiter illegal beschäftigt wurden, wurden sie kurz vor dem Sportergeignis als illegale Migranten deklariert, von der Straße weg verhaftet und ausgewiesen.

"Sklaven auf Baustellen" hörte man auch schon aus Katar - dort soll umstrittenerweise die WM 2022 ausgerichtet werden. Der Internationale Gewerkschaftsbund rechnete vor, dass vor allem Arbeiter aus Indien und Nepal unter schrecklichen Bedingungen arbeiten müssen. Den Arbeitern seien die Pässe abgenommen worden und sie leben auf den Baustellen, auf denen sie auch arbeiten. Gleiches hört man nun auch aus Russland und es stellt sich die Frage, wo und wann die Verantwortung der FIFA beginnt, auch solche Miss-Stände bei der Vergabe und der Ausrichtung von Fussball-Weltmeisterschaften mit in Betracht zu ziehen.