Wie frei wird die Presse zur WM 2018 arbeiten können? - WM 2018

27.04.2017 23:00
Wir freuen uns auf ein Fußball-Fest. Die WM 2018 in Russland soll wie so viele andere Weltmeisterschaften zuvor auch schon ein Fest für den Sport, für die Menschen, für die Freude zu werden. Ob es dazu wirklich kommen wird, darf allerdings kritisch hinterfragt werden.

Russland ist nun kein Land, dass sich durch eine besonders ausgeprägte Pressefreiheit auszeichnet. Und das scheint sich nun auch im Zuge der Berichterstattung zur WM zu bewahrheiten - zumindest legt das die Interpretation der Bild-Zeitung nahe, der sich viele Medien anschließen. Beim DFB ist man ebenfalls aufmerksam geworden, bei der FIFA sieht man das alles nicht allzu kritisch.

Der Reihe nach: Im Laufe der Woche hatte die Bild-Zeitung die Bedingungen zur Akkreditierung von Journalisten im Zuge des Confed Cups veröffentlicht. Vereinfacht ausgedrückt ist es Reportern im Zuge des Turniers, das als Generalprobe zur WM 2018 gewertet kann, gestattet, über Fußball zu berichten, aus den Stadien zu berichten und von Sehenswürdigkeiten aus dem näheren Umfeld der jeweiligen Spielorte. Das heißt im Umkehrschluss, dass in der Berichterstattung der Kontext zum Alltagsleben in Russland oder zur angespannten außenpolitischen Situationen weniger gern gesehen wird.

So interpretieren es zumindest einige Medien. Seitens der FIFA und auch seitens des Organisations-Komitees wird jedoch betont, dass Journalisten sich frei bewegen und auch frei berichten dürfen. Diese Diskussion wird derzeit in Hinblick auf den Confed Cup vom 17. Juni bis zum 2. Juli geführt. Seitens des DFB will man noch einmal dafür eintreten, dass Journalisten in Russland auch tatsächlich frei berichten dürfen, um so auch in Hinblick auf die WM 2018 in Russland wichtige Signale in puncto Pressefreiheit zu senden.

Der Deutsche Journalisten Verband fordert schon vor dem Confed Cup, dass die Akkreditierungsbedingungen für Journalisten noch einmal überarbeitet werden sollten. Immerhin handelt es sich bei dem Recht auf eine freie Berichterstattung auf ein Grundrecht. Das müsse auch in Russland gelten. Andernfalls ist klar: Die Einschränkung der freien Berichterstattung sei eine Maßnahme einer Diktatur, die Angst vor kritischer Berichterstattung habe. Für die Bild-Zeitung, die die Diskussion zuerst öffentlichkeitswirksam angefacht hat, steht derzeit fest: Bleiben die Bedingungen bestehen, wird kein Reporter entsendet, um über den Confed Cup zu berichten. Und auch Liga-Präsident Rauball stellte schon mal klar: "Die uneingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit gehört zu den Menschenrechten. Die Wahrung der Menschenrechte muss auch bei einem sportlichen Großereignis sichergestellt werden – egal, wo es stattfindet."

Ob und wie dieses uneingeschränkt richtige Ansinnen zum Confed Cup und auch zur WM 2018 in Russland berücksichtigt wird, darf bezweifelt werden. Man muss kein Schwarzmaler sein, um Parallelen zur eingeschränkten Möglichkeit der Berichterstattung während der Olympischen Winterspiele in Sotschi zu erkennen. Schon vor den Spielen attestierte die Organisation “Reporter ohne Grenzen”, dass der Zugang zu freien Informationen in Russland so eingeschränkt seien, wie seit den Zeiten der Sowjetunion nicht mehr.

Wen mag es da überraschen, wenn es beim Confed Cup 2017 oder bei der WM 2018 in Russland anders wird? Als Fußball-Fest werden die Turniere dann trotzdem inszeniert. Freuen wir uns darauf...

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