Zwölf Jahre nach dem unvergessenen Sommer 2014 in Brasilien, als James Rodríguez mit seinem traumhaften Volley gegen Uruguay zum Gesicht eines ganzen Turniers wurde, steht Kolumbien wieder im Rampenlicht der Fußballwelt. Nach dem enttäuschenden Ausscheiden bei der WM 2018 (Achtelfinal-Aus) und dem schmerzhaften Fehlen 2022 in Katar kehren die Cafeteros zur Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zurück – und das mit großen Ambitionen.
Angeführt wird die Mannschaft von Trainer Néstor Lorenzo, der seit seiner Amtsübernahme im Sommer 2022 eine bemerkenswerte Serie hingelegt hat. Über 20 Spiele blieb sein Team in der Anfangsphase ungeschlagen, bevor erst im Finale der Copa América 2024 ein Dämpfer folgte – und auch das Finale gegen Argentinien wurde erst in der Verlängerung knapp verloren. Diese Reife im Turniermodus macht Hoffnung auf mehr.
Spielplan: Kolumbien
| Do, 18.06.2026 | Empower Field at Mile High | | | UZB | COL | | | - : - | |
| Mi, 24.06.2026 | NRG Stadium | | | COL | COD | | | - : - | |
| So, 28.06.2026 | SoFi Stadium | | | COL | POR | | | - : - | |
WM Spielplan →
Im Zentrum des kolumbianischen Spiels steht weiterhin James Rodríguez. Mit 34 Jahren ist der einstige Real-Madrid-Star längst nicht mehr der gleiche Spieler wie 2014, doch seine Spielintelligenz, sein Auge für den entscheidenden Pass und seine Standards sind nach wie vor Weltklasse. Bei der Copa América 2024 wurde er völlig zu Recht zum besten Spieler des Turniers gewählt – ein später Triumph für einen Profi, dessen Karriere zwischendurch beinahe in der Bedeutungslosigkeit zu versanden drohte.
Doch James ist längst nicht mehr allein. Um ihn herum hat sich eine Generation entwickelt, die das Etikett „golden" tatsächlich verdient. Luis Díaz vom FC Bayern München zählt zu den explosivsten Flügelspielern Europas, sein Tempo und seine Dribblings sind kaum zu verteidigen. In der Offensive ergänzt ihn Jhon Durán, der bullige Stürmer, der sich in der Premier League einen Namen machte. Im Mittelfeld bringt Richard Ríos von Benfica frische Dynamik, während Daniel Muñoz von Crystal Palace die rechte Seite mit unermüdlichen Vorstößen prägt.
Defensiv sorgt Davinson Sánchez für Stabilität, im Tor steht mit Camilo Vargas ein erfahrener Rückhalt. Diese Mischung aus Routine und jugendlichem Elan macht Kolumbien zu einem der unangenehmsten Gegner für jede Topnation.
In der südamerikanischen Qualifikation überzeugte das Team zeitweise mit historischen Erfolgen – darunter ein 2:1-Sieg gegen Weltmeister Argentinien in Barranquilla, der das Selbstvertrauen enorm steigerte. Zwar gab es zwischenzeitlich auch Rückschläge, doch das Ticket nach Nordamerika wurde souverän gelöst.
Die Erwartungen in der Heimat sind hoch. Viele Fans träumen offen davon, was 2014 nur knapp verpasst wurde: das erste WM-Halbfinale der kolumbianischen Geschichte. Damals war im Viertelfinale gegen Gastgeber Brasilien Schluss – ein Spiel, das bis heute nachhallt. Diesmal soll es weitergehen.
Die Voraussetzungen sind günstig: Das Turnier in Nordamerika bietet klimatische Bedingungen, die der kolumbianischen Spielweise entgegenkommen, und die geografische Nähe wird tausende Fans in die Stadien locken. Zudem profitiert das Team vom auf 48 Mannschaften erweiterten Format, das mehr Spielraum für taktische Entwicklung im Turnierverlauf bietet.
Ob Kolumbien tatsächlich bis ins Halbfinale stürmen kann, wird auch davon abhängen, ob James Rodríguez fit bleibt und seine Form aus der Copa América bestätigen kann. Eines ist jedoch sicher: Die Cafeteros sind zurück – und sie kommen mit Hunger, Qualität und einer Generation, die sich endgültig in den Geschichtsbüchern verewigen will.