Transparenz auf dem Rasen: FIFA macht den VAR bei der WM 2026 öffentlich

Transparenz auf dem Rasen: FIFA macht den VAR bei der WM 2026 öffentlich

17.05.2026 14:08 Die FIFA

Die FIFA bricht bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko mit einer der größten Geheimniskrämereien des modernen Fußballs: Erstmals bei einer Männer-WM werden Entscheidungen des Video Assistant Referee (VAR) live im Stadion erklärt und auf den Anzeigetafeln visualisiert. Damit erhalten Fans, Spieler und TV-Zuschauer unmittelbar Einblick in die Entscheidungsfindung der Unparteiischen – ein Schritt, der die Debattenkultur im Fußball nachhaltig professionalisieren soll. Die Maßnahme war zuvor bei der Frauen-WM 2023 sowie bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2025 und dem FIFA Intercontinental Cup als Pilotprojekt erprobt worden und stieß dort auf überwiegend positive Resonanz. FIFA-Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina betonte mehrfach, dass mehr Offenheit das Vertrauen in die Schiedsrichterleistungen stärken solle. Konkret bedeutet das: Nach einer VAR-Überprüfung greift der Hauptschiedsrichter zum Mikrofon und erläutert welche Szene überprüft wurde und wie das Ergebnis lautet. Hochtechnologie im Dienst der Fairness Technisch setzt die FIFA auf ein hochkomplexes System, das die bei der WM 2022 eingeführte halbautomatische Abseitserkennung (SAOT) perfektioniert hat. Ergänzt wird es durch die „Connected Ball Technology“: Ein Chip im Spielball liefert präzise Daten über den exakten Zeitpunkt der Ballabgabe sowie über Ballkontakte (wichtig für Handspiel- oder Foul-Entscheidungen). Die Kombination mehrerer spezialisierter Trackingkameras pro Stadion und künstlicher Intelligenz wertet Szenen in Sekundenschnelle aus. Auf den Stadionleinwänden erscheinen anschließend 3D-Animationen, die etwa die Position eines Stürmers im Abseits für jeden Zuschauer sichtbar machen. Auch die Schiedsrichter selbst stehen vor neuen Herausforderungen. Sie müssen nicht nur regeltechnisch sicher sein, sondern auch kommunikativ überzeugen – ein Profil, das stark an Rugby- oder NFL-Referees erinnert. Die FIFA hat deshalb in speziellen Trainingscamps die nominierten Unparteiischen gezielt auf Mediensituationen vorbereitet. Insgesamt wurden für das Mammut-Turnier mit 48 Teams und 104 Spielen 52 Hauptschiedsrichter, 88 Assistenten und 30 Video-Match-Officials berufen. Kritiker warnen dennoch vor potenziellen Risiken. Sollte ein Schiedsrichter eine Entscheidung unklar erklären oder sich im Regelwerk verheddern, könnte die Stimmung im Stadion schnell kippen. Zudem besteht die Sorge vor einer weiteren Verlangsamung des Spiels. Die FIFA hält jedoch mit Erfahrungswerten dagegen: Die Erklärungen dauerten in den Testphasen im Schnitt nur 30 bis 45 Sekunden – oft deutlich kürzer als die eigentliche Dauer der Video-Überprüfung. Mit dieser Reform betritt der Weltfußball endgültig Neuland. Bewährt sich das Konzept bei diesem Turnier, könnte als Vorbild für UEFA-Wettbewerbe und nationale Ligen dienen. Die Zeiten, in denen das Stadionpublikum ratlos auf den Rasen blickte, sollten damit der Vergangenheit angehören.

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