48 oder 64 Teams? Was die WM-2030-Entscheidung bedeutet

09.10.2026 13:00 WM 2030

Kaum ist die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko Geschichte, richtet sich der Blick der Fußballwelt bereits auf das nächste Großturnier: Die WM 2030 wird in Spanien, Portugal und Marokko ausgetragen – mit drei Jubiläumsspielen in Uruguay, Argentinien und Paraguay zum 100-jährigen Bestehen der Weltmeisterschaft. Doch bevor der erste Ball rollt, beschäftigt eine Frage Verbände, Fans und Experten gleichermaßen: Bleibt es bei 48 Teams – oder wird das Turnier auf 64 Mannschaften aufgestockt?

Hintergrund ist ein Vorstoß, der im März 2025 im FIFA-Rat zunächst vom Präsidenten des uruguayischen Fußballverbands, Ignacio Alonso, spontan eingebracht wurde und anschließend von CONMEBOL-Präsident Alejandro Domínguez öffentlich unterstützt wurde. Domínguez warb für eine einmalige Erweiterung auf 64 Teams zum 100. WM-Geburtstag. Seine Begründung: Ein historisches Jubiläum verdiene ein historisches und möglichst inklusives Format, das mehr Nationen die Chance auf eine WM-Teilnahme biete. FIFA-Präsident Gianni Infantino zeigte sich offen für die Prüfung des Vorschlags.

Der Widerstand gegen den Plan ist allerdings erheblich. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin bezeichnete die Idee öffentlich als „schlechte Idee“ und verwies sowohl auf die Auswirkungen auf das Turnier selbst als auch auf die Qualifikation. Auch CONCACAF-Chef Victor Montagliani äußerte deutliche Skepsis. Die Kritikpunkte reichen von der zusätzlichen Belastung des ohnehin vollen Fußballkalenders über logistische Herausforderungen bis hin zu einer möglichen Entwertung der Qualifikation und einer Verwässerung der sportlichen Qualität. Auch aus Asien kam Widerstand.

**Nach aktuellem Stand bleibt es jedoch beim 48er-Format.** FIFA hat für die WM 2030 weiterhin ein Turnier mit 48 Mannschaften vorgesehen. Eine endgültige Entscheidung über eine mögliche Erweiterung auf 64 Teams müsste erst getroffen werden; derzeit ist sie nicht beschlossen.

Was würde eine Aufstockung auf 64 Teams konkret bedeuten? Bei einem naheliegenden 64er-Format mit 16 Vierergruppen wären **128 Spiele** nötig – 24 mehr als bei der aktuell geplanten 48er-WM mit 104 Partien. Das würde den organisatorischen Aufwand erheblich erhöhen und könnte auch Auswirkungen auf die Turnierdauer haben. Für kleinere Nationen – insbesondere aus Afrika, Asien und Ozeanien – wäre eine Erweiterung zugleich eine große Chance: Mehr Startplätze würden Ländern, die bislang nur selten oder noch nie bei einer WM dabei waren, bessere Teilnahmechancen eröffnen. Gleichzeitig befürchten Kritiker eine geringere sportliche Qualität und eine weitere Entwertung der Qualifikation.

Für die laufende WM-2030-Qualifikation hätte eine späte Formatänderung weitreichende Folgen. Die Kontinentalverbände müssten ihre Verteilungsschlüssel anpassen. Im bestehenden 48er-Modell sind **16 direkte Startplätze für Europa, 9 für Afrika, 8 für Asien, 6 für Südamerika, 6 für die CONCACAF-Zone und 1 für Ozeanien** vorgesehen. Zwei weitere Plätze werden über ein interkontinentales Play-off-Turnier vergeben.

Für die WM 2030 ergibt sich dabei eine Besonderheit: Spanien, Portugal und Marokko sind als Hauptgastgeber automatisch qualifiziert. Hinzu kommen Uruguay, Argentinien und Paraguay, die jeweils ein Spiel im Rahmen der Hundertjahrfeier austragen und ebenfalls automatisch qualifiziert sind. Damit sind **sechs Nationen automatisch dabei**. FIFA hat ausdrücklich festgelegt, dass diese sechs Startplätze von den Kontingenten ihrer jeweiligen Konföderationen abgezogen werden. Im derzeitigen 48er-Modell reduziert sich dadurch insbesondere die Zahl der regulär zu vergebenden Plätze für UEFA, CAF und CONMEBOL.

Bei einer Aufstockung auf 64 Teams würden sich die Kontingente entsprechend verändern. Wie viele zusätzlichen Plätze die einzelnen Konföderationen erhalten würden, ist bislang allerdings **nicht festgelegt**. Entsprechend lassen sich derzeit auch keine verbindlichen neuen Qualifikationskontingente nennen. Die Auswirkungen wären unter anderem für die Spielpläne relevant, die Interessierte im Qualifikations-Spielplan verfolgen können.

Ein Blick auf die Historie zeigt: WM-Erweiterungen gab es immer wieder. Von 16 Teams (bis 1978) über 24 (ab 1982) und 32 (ab 1998) bis zu 48 (ab 2026) – jede Vergrößerung wurde zunächst kontrovers diskutiert. Das 48er-Format feierte 2026 in Nordamerika seine Premiere. Mehr dazu in unserer Übersicht zur WM-Geschichte.

Für Fans bleibt die Debatte spannend. Klar ist: Egal ob 48 oder 64 Teams – die WM 2030 wird in jedem Fall ein außergewöhnliches Turnier, das drei Kontinente und ein ganzes Jahrhundert Fußballgeschichte miteinander verbindet. Nach dem derzeit offiziell vorgesehenen Konzept werden 101 Spiele in Spanien, Portugal und Marokko ausgetragen; drei weitere Partien finden im Rahmen der Hundertjahrfeier in Uruguay, Argentinien und Paraguay statt.