Mexiko steht vor einem entscheidenden Kapitel seiner Fußballgeschichte. Als Co-Gastgeber der Weltmeisterschaft 2026 gemeinsam mit den USA und Kanada will „El Tri" das Trauma von Katar 2022 endgültig hinter sich lassen. Damals schied die Mannschaft erstmals seit 1978 bereits in der Gruppenphase aus – ein Schock, der das fußballverrückte Land bis ins Mark erschütterte. Nun soll eine neue Generation rund um Stürmerstar Santiago Giménez die Wende einleiten.
Der 24-jährige Angreifer, der nach starken Jahren bei Feyenoord Rotterdam im Februar 2025 zur AC Mailand wechselte, gilt als Hoffnungsträger einer ganzen Nation. „Bebote", wie ihn die Fans liebevoll nennen, vereint Torinstinkt, Robustheit und mentale Reife – Eigenschaften, die der mexikanischen Offensive in den letzten Jahren oft fehlten. Schon sein Vater Christian Giménez war ein gefeierter Profi in Mexiko, doch Santiago hat das Potenzial, in andere Sphären vorzustoßen. In der niederländischen Eredivisie machte er mit über 60 Toren in zwei Spielzeiten auf sich aufmerksam und etablierte sich als einer der treffsichersten Mittelstürmer Europas.
Doch Giménez ist nicht allein. Trainer Javier Aguirre, der nach seiner Rückkehr im August 2024 das Ruder übernahm, setzt auf einen Mix aus erfahrenen Akteuren und jungen Talenten. Spieler wie Edson Álvarez (West Ham), Luis Chávez und der pfeilschnelle Flügelspieler Julián Quiñones bilden das Gerüst einer Mannschaft, die sich von der Lethargie der Vergangenheit befreien soll. Aguirre, der Mexiko bereits zweimal zu Weltmeisterschaften führte, kennt die Herausforderungen genau und gilt als idealer Mann für diese Übergangsphase.
Spielplan: Mexiko
| Do, 11.06.2026 21:00 | 21:00 | Estadio Azteca | | | Mexiko | Südafrika | | | - : - | |
| Fr, 19.06.2026 03:00 | 03:00 | Arrowhead Stadium | | | Mexiko | Südkorea | | | - : - | |
| Do, 25.06.2026 03:00 | 03:00 | Estadio Akron | | | Tschechien | Mexiko | | | - : - | |
Die sportliche Bilanz seit Aguirres Amtsantritt fällt gemischt aus. Beim Gold Cup 2025 zeigte sich „El Tri" über weite Strecken verbessert und holte den Titel – ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung des Selbstvertrauens. Auch Testspiele gegen europäische Topnationen verliefen vielversprechend, wenngleich die Defensive immer wieder Schwachstellen offenbarte. Klar ist: Bis zum Eröffnungsspiel in Mexiko-Stadt im Sommer 2026 muss die Mannschaft noch deutlich an Konstanz gewinnen.
Ein Vorteil, den die Mexikaner nicht hoch genug einschätzen können, ist die Atmosphäre im legendären Estadio Azteca, das nach umfassender Modernisierung das Eröffnungsspiel der WM ausrichten wird. Über 80.000 Zuschauer werden die Mannschaft frenetisch unterstützen – ein Heimvorteil, der in der Geschichte des Turniers schon oft den Unterschied gemacht hat. Bereits 1970 und 1986 profitierte Mexiko von der heimischen Kulisse und erreichte jeweils das Viertelfinale. Genau diese Marke gilt nun als Mindestziel, intern wird sogar vom ersten Halbfinaleinzug überhaupt geträumt.
Die mexikanischen Verbandsfunktionäre haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Statt auf Stars wie einst Hirving Lozano oder Raúl Jiménez vollständig zu vertrauen, setzt man bewusst auf einen Generationenwechsel. Junge Profis aus der Liga MX, ergänzt durch in Europa erprobte Akteure, sollen einen frischen Spielstil etablieren – mutiger, druckvoller, moderner.
Ob der Plan aufgeht, wird sich zeigen. Doch eines ist sicher: Mexiko brennt darauf, bei seiner dritten WM-Ausrichtung – nach 1970 und 1986 – endlich auch sportlich Geschichte zu schreiben. Mit Santiago Giménez als Galionsfigur und einer hungrigen jungen Generation könnte 2026 tatsächlich der Sommer werden, in dem „El Tri" zurück in die Weltspitze findet.