Südamerika zwischen Jubiläum und Qualifikation: Argentinien und Brasilien in besonderer Rolle zur WM 2030

04.10.2026 08:30 WM Qualifikation

Die Weltmeisterschaft 2030 wird eine wie keine zuvor: 100 Jahre nach dem ersten Turnier in Uruguay 1930 richtet die FIFA ein Jubiläumsturnier aus, das auf drei Kontinenten gespielt wird. Hauptgastgeber sind Spanien, Portugal und Marokko, doch die FIFA hat beschlossen, auch den Ursprung der WM-Geschichte zu würdigen: Uruguay, Argentinien und Paraguay werden jeweils ein Spiel der Gruppenphase austragen. Das Eröffnungsspiel ist für das Estadio Centenario in Montevideo vorgesehen, jenes Stadion, in dem 1930 das erste WM-Finale stattfand.

Für die südamerikanische WM-Qualifikation bringt diese Konstellation eine Besonderheit mit sich. Nach dem FIFA-Ratsbeschluss vom Oktober 2023 sind Uruguay, Argentinien und Paraguay als Gastgeber ihres jeweiligen Jubiläumsspiels automatisch für die WM 2030 qualifiziert. Sie müssen sich also – anders als bislang teilweise dargestellt – nicht mehr sportlich über die CONMEBOL-Qualifikation durchsetzen, sondern sind gesetzt.

Damit tritt Argentinien in einer besonderen Rolle an: Der Weltmeister von 2022 ist zugleich Teil-Gastgeber mit garantiertem Startplatz. Brasilien hingegen ist kein Co-Gastgeber und muss sich weiterhin regulär über die CONMEBOL-Qualifikation durchsetzen – ein sportlich ungewohnter Status, zumal mit Argentinien, Uruguay und Paraguay gleich drei direkte Nachbarn und Rivalen bereits vor dem ersten Qualifikationsspiel sicher dabei sind.

Der Modus der Südamerika-Qualifikation bleibt in seiner Grundform bestehen: Alle zehn CONMEBOL-Nationen spielen in einer einzigen Gruppe jeder gegen jeden, mit Hin- und Rückspiel. Durch die Aufstockung der WM auf 48 Mannschaften stehen Südamerika grundsätzlich sechs direkte Startplätze zu, hinzu kommt ein siebter Platz über die interkontinentalen Playoffs. Da Uruguay, Argentinien und Paraguay jedoch bereits automatisch qualifiziert sind, werden deren drei Startplätze vom regulären CONMEBOL-Kontingent abgezogen. Somit verbleiben für die restlichen sieben Nationen noch drei direkte Startplätze sowie ein Playoff-Ticket. Insgesamt können also maximal sieben der zehn CONMEBOL-Nationen beim Turnier dabei sein. Dennoch bleibt die Zahl der WM-Teilnehmer aus Südamerika verhältnismäßig hoch. Für Nationen wie Venezuela, das bislang noch nie an einer WM teilgenommen hat, eröffnet sich damit weiterhin eine realistische Chance. Details zu Terminen finden sich im Spielplan der Qualifikation.

Für Argentinien stellt sich die sportliche Frage, wie Lionel Scaloni die goldene Generation um Lionel Messi in den kommenden Jahren überführt. Messi, der 2026 vermutlich seine letzte WM gespielt haben wird, dürfte 2030 nicht mehr aktiv sein – wobei er selbst sich öffentlich noch nicht endgültig festgelegt hat. Brasilien wiederum befindet sich in einem Umbruch: Nach enttäuschenden Jahren und mehreren Trainerwechseln soll eine neue Generation um Spieler wie Vinícius Júnior oder Endrick die Seleção zurück an die Spitze führen. Aktuelle Entwicklungen rund um Kader und Spiele lassen sich in unseren News verfolgen.

Ein hübscher Fun Fact am Rande: Uruguay gewann 1930 das allererste WM-Finale mit 4:2 gegen Argentinien. 100 Jahre später treten beide Nationen gemeinsam als Mit-Ausrichter dieses Jubiläumsturniers auf – eine Konstellation mit historischer Note. Ein direktes Aufeinandertreffen auf dem Platz gäbe es 2030 allerdings frühestens in der K.o.-Phase, da die drei südamerikanischen Gastgeber in verschiedene Vorrundengruppen gelost werden, um ihre jeweiligen Heimspiele austragen zu können. Wer die aktuelle Form der Teams beobachten möchte, dem sei ein Blick in die FIFA-Weltrangliste empfohlen, in der Argentinien und Brasilien traditionell ganz vorne platziert sind.

Die CONMEBOL-Qualifikation zur WM 2030 verspricht damit eine Mischung aus sportlicher Spannung, historischer Symbolik und organisatorischer Besonderheit – ein würdiger Auftakt zum Jubiläumsturnier.