Wie ernst meint Infantino die geplante Erhöhung auf 48 WM-Teilnehmerländer? - WM 2018

Wie ernst meint Infantino die geplante Erhöhung auf 48 WMTeilnehmerländer?

29.10.2016 12:25
Kaum im Amt, sorgte der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino schon für gehörigen Aufruhr in der Fußballwelt. Ab der auf die WM in Katar folgende WM sollen nach seinen Plänen nicht mehr wie bisher 32 Nationen mit ihren Nationalmannschaften am Endturnier teilnehmen, sondern deren 48. Zunächst war die Rede von einer Erhöhung auf die Zahl 40. Doch damit nicht genug, legte er kurze Zeit später nach und nannte 48 als sein Ziel. Alles nur Politik oder ist diese Idee wirklich ernst gemeint?

Wieder Bonbons für die kleineren Verbände von der FIFA

Da in der FIFA anscheinend alles, was entschieden wird, Politik ist, muss man die Frage mit einem "sowohl als auch" beantworten. Einerseits dankt er damit all jenen etwas kleineren Nationen im Fußball, die ihm zu seiner Wahl verholfen haben. Andererseits ist der Vorschlag wirklich ernst gemeint, so ist allgemeinen Einschätzungen zu entnehmen. Konkreter plant Gianni Infantino allerdings keine Gruppenphase mit 48 Nationen. Das wären dann bei 4 Teams pro Gruppe beinahe unüberschaubare 12 Gruppen, hieße: Die letzte Gruppe trüge den Buchstaben "L" als Bezeichnung.

Vielmehr sollen 16 Teams fest fürs Hauptfeld qualifiziert sein und die übrigen 32 in Playoffs 16 weitere Starter ermitteln, allerdings direkt vor dem Turnier. 16 der Teams müssten also nach nur einer Partie wieder nach Hause fahren. Ebenso wüsste kein TV-Sender und kein Biergartenbetreiber, wann wer gegen wen spielt. So unausgereift die Idee auch klingt, muss das in diesen Zeiten bei der FIFA nicht heißen, dass es nicht dennoch so kommt.

Entschieden ist zwar noch nichts in dieser Frage. Doch eine Abstimmung darüber würde in der FIFA ziemlich sicher so ausgehen, wie Infantino sich das wünscht. Außer ein paar wenigen Situierten - wie z. B. Bundestrainer Jogi Löw - äußerte niemand Kritik an dieser Idee, weil natürlich viele kleine Verbände hofften, dass es für sie dann auch endlich einmal zu einer WM-Teilnahme reichte - selbst wenn diese nur aus 90 Minuten bestünde.

Von einem knappen Dutzend Teilnehmer zu einem Viertel der Fußballwelt?

Zur Erinnerung hier noch mal der Verlauf der Zahl der Teilnehmerländer seit Einführung der Weltmeisterschaften 1930.
JahrAusrichterTeilnehmerzahl
1930Uruguay13
1934Italien16
1938Frankreich15
1950Brasilien13
1954Schweiz16
1958Schweden16
1962Chile16
1966England16
1970Mexiko16
1974Deutschland16
1978Argentinien16
1982Spanien24
1986Mexiko24
1990Italien24
1994USA24
1998Frankreich32
2002Japan/Südkorea32
2006Deutschland32
2010Südafrika32
2014Brasilien32
2018Russland32
2022Katar32
2026??
Was zunächst mit kümmerlichen 13 Nationen begann, soll also demnächst auf knapp ein Viertel aller FIFA-Mitgliedsländer ausgeweitet werden. Damit erreicht man zwar immer noch nicht die Quote von fast 50 Prozent aller Bewerber, die an einer Europameisterschaft teilnehmen. Eine weitere Verwässerung des sportlichen Niveaus wäre aber trotz aller weltweiten Fortentwicklung des Fußballs damit quasi unausweichlich. Was wiederum letztlich dann doch ein Eigentor der FIFA werden könnte.

Sicher bleibt bis auf Weiteres nur: die WM 2018 in Russland und die WM 2022 in Katar finden definitiv mit "nur" 32 Teilnehmern statt.