Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird in vielerlei Hinsicht historisch sein: Erstmals tragen drei Länder – die USA, Kanada und Mexiko – das Turnier gemeinsam aus, und erstmals werden 48 statt bisher 32 Mannschaften teilnehmen. Mit dieser Vergrößerung geht jedoch eine bislang ungekannte logistische Herausforderung einher. Die enormen geografischen Distanzen zwischen den 16 Spielorten könnten zu einem entscheidenden sportlichen Faktor werden – und für reisende Fans zur finanziellen wie organisatorischen Geduldsprobe.
Zwischen den nördlichsten Austragungsorten in Vancouver und Toronto und den südlichsten in Mexiko-Stadt und Monterrey liegen mehrere tausend Kilometer. Allein die Strecke von Vancouver an der kanadischen Pazifikküste bis nach Miami in Florida beträgt rund 5.400 Kilometer Luftlinie – mehr als die Distanz zwischen Lissabon und Moskau. Hinzu kommen drei Zeitzonen, klimatische Extreme von kühlen kanadischen Sommern bis zur drückenden Hitze in Texas und Arizona sowie die Höhenlage von Mexiko-Stadt mit über 2.200 Metern.
Für die Mannschaften bedeutet das einen Trainings- und Regenerationsplan, wie ihn keine WM zuvor verlangt hat. Der Weltverband FIFA hat angekündigt, bei der Gruppenauslosung sogenannte „regionale Cluster" zu bilden, um die Reisestrapazen zumindest in der Vorrundenphase zu begrenzen. Sobald jedoch die K.-o.-Runde beginnt, sind weite Flugreisen kaum vermeidbar. Sportwissenschaftler warnen bereits vor den Folgen für Spieler, die ohnehin am Ende einer langen Klubsaison stehen. Jetlag, unterschiedliche Luftfeuchtigkeit und wechselnde Höhenlagen können die Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.
Auch die deutsche Nationalmannschaft, die in der Qualifikation antreten muss, dürfte sich intensiv mit diesen Bedingungen auseinandersetzen. Bereits jetzt arbeiten Stab und Verband an Konzepten für Akklimatisierung und Reiseplanung.
Spielplan: Deutschland
| So, 14.06.2026 | MetLife Stadium | | | Deutschland | Curaçao | | | - : - | |
| Sa, 20.06.2026 | MetLife Stadium | | | Deutschland | Elfenbeinküste | | | - : - | |
| Do, 25.06.2026 | SoFi Stadium | | | Ecuador | Deutschland | | | - : - | |
Für die Fans stellt sich die Lage noch komplexer dar. Wer seinem Team durch das Turnier folgen möchte, muss mit Reisekosten in fünfstelliger Höhe rechnen. Inlandsflüge in Nordamerika sind zwar zahlreich, aber bei großer Nachfrage erfahrungsgemäß teuer. Mietwagen, Hotels in den Gastgeberstädten und die unterschiedlichen Visa- und Einreisebestimmungen der drei Länder erschweren die Planung zusätzlich. Wer etwa von einem Spiel in Guadalajara zu einem Achtelfinale in Boston reisen will, muss neben dem Flug auch Grenzformalitäten und mögliche ESTA- oder eTA-Anträge berücksichtigen.
Hinzu kommt: Anders als bei kompakten WM-Turnieren wie 2006 in Deutschland oder 2022 in Katar, wo Fans bequem mehrere Spiele pro Tag besuchen konnten, wird das 2026 praktisch unmöglich sein. Die FIFA hat angekündigt, dass insgesamt 104 Spiele ausgetragen werden – mehr als je zuvor. Das Turnier dauert rund 39 Tage und erstreckt sich vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026.
Die Organisatoren betonen dennoch die Vorteile: Eine moderne Infrastruktur, leistungsfähige Stadien wie das MetLife Stadium in New Jersey, in dem das Finale stattfinden soll, und das legendäre Aztekenstadion in Mexiko-Stadt sorgen für ein Turniererlebnis auf höchstem Niveau. Auch wirtschaftlich versprechen sich die drei Gastgeberländer Milliardeneinnahmen.
Klar ist jedoch: Die WM 2026 wird neue Maßstäbe setzen – nicht nur sportlich, sondern auch in Sachen Reiseplanung. Mannschaften, die ihre Logistik im Griff haben, könnten daraus einen entscheidenden Vorteil ziehen. Und Fans, die das Abenteuer wagen, werden Teil eines beispiellosen Fußballfests auf einem ganzen Kontinent.