Panenka, Baggio, Montiel: Die verrücktesten Elfmeter-Momente der WM-Geschichte

17.10.2026 08:30 Teams & Spieler

# Panenka, Baggio, Montiel: Die verrücktesten Elfmeter-Momente der Fußballgeschichte

Kaum ein Moment im Fußball ist so grausam schön wie der Elfmeter bei einer Weltmeisterschaft. Elf Meter, ein Ball, ein Schütze, ein Torwart – und oft eine ganze Nation, die den Atem anhält. Während die WM 2026 in Nordamerika gerade erst Geschichte geworden ist und sich die Blicke langsam Richtung WM 2030 in Spanien, Portugal und Marokko richten, lohnt ein Rückblick auf die legendärsten Momente vom Punkt. Die WM 2026 endete am 19. Juli mit dem Titelgewinn Spaniens.

Beginnen muss man dabei eigentlich bei einem Spieler, der nie bei einer WM einen entscheidenden Elfmeter dieser Art verwandelt hat: Antonín Panenka. Sein frecher Lupfer im Finale der Europameisterschaft 1976 gegen die BRD prägte dennoch die gesamte Elfmeterkultur des Weltfußballs. Der „Panenka“ wurde zum Synonym für Eiseskälte – und seitdem bei großen Turnieren imitiert, bejubelt und manchmal auch bitter bestraft. Panenka verwandelte seinen Strafstoß im EM-Finale 1976 zum entscheidenden Treffer im Elfmeterschießen gegen die Bundesrepublik Deutschland. Andrea Pirlo zelebrierte den Trick 2012 im EM-Viertelfinale gegen England sehenswert und ebnete Italien damit den Weg ins Halbfinale. Auch Sergio Ramos und Lionel Messi gehören zu den prominenten Spielern, die den Panenka-Elfmeter erfolgreich eingesetzt haben.

Die Weltmeisterschaft selbst kennt das Elfmeterschießen seit 1982, als Deutschland im Halbfinale gegen Frankreich das erste WM-Shootout überhaupt gewann. Seitdem hat sich eine ganze Galerie unvergesslicher Szenen angesammelt. 1990 traf England im Halbfinale von Turin auf Deutschland – und Chris Waddle schoss seinen Elfmeter über das Tor. Zuvor war bereits Stuart Pearce an Bodo Illgner gescheitert. Deutschland gewann das Shootout mit 4:3. Vier Jahre später, im Finale von Pasadena, folgte eine der berühmtesten Fehlschuss-Szenen der WM-Geschichte: Roberto Baggio setzte den entscheidenden italienischen Elfmeter über die Latte, Brasilien gewann das erste WM-Finale, das im Elfmeterschießen entschieden wurde, mit 3:2.

Dann gibt es die Helden. Fabien Barthez, der Frankreich 1998 mit starken Leistungen auf dem Weg zum Titel begleitete und im Viertelfinale gegen Italien einen Elfmeter von Demetrio Albertini parierte, Sergio Goycochea 1990, der Argentinien mit mehreren entscheidenden Paraden in Elfmeterschießen half, oder Ricardo, der Portugal 2006 im Viertelfinale gegen England ins Halbfinale rettete – als erster Torwart, der in einem WM-Shootout drei Elfmeter hielt. Eine Sonderrolle nimmt Harald Schumacher ein: Zwar hielt er 1982 im Halbfinale gegen Frankreich zwei Elfmeter im Shootout, zur zwiespältigen Figur wurde er allerdings vor allem durch sein brutales Foul an Patrick Battiston in der regulären Spielzeit – ein Bild, das bis heute mit diesem Spiel verbunden bleibt.

Den bislang letzten großen Moment lieferte Gonzalo Montiel im Finale von Lusail 2022. Nach einem der dramatischsten Endspiele aller Zeiten trat der Verteidiger im Elfmeterschießen gegen Frankreich an, verwandelte sicher – und krönte Argentinien sowie Lionel Messi zum Weltmeister. Argentinien gewann das Shootout mit 4:2, Montiel verwandelte den entscheidenden vierten Elfmeter. Dass ausgerechnet ein nomineller Abwehrspieler die entscheidende Szene schrieb, passt zur Geschichte des Elfmeters: Nicht immer trifft der beste Techniker, sondern der mit den stärksten Nerven. Weitere spannende Daten und Rekorde dazu finden sich in unserer WM-Geschichte.

Für die kommenden Jahre dürfte das Thema nicht an Brisanz verlieren. Die WM 2030 Qualifikation wird die Nationalmannschaften erneut vor entscheidende Spiele und mögliche Elfmeterschießen stellen. Besonders in Europa können Playoff-Runden und Entscheidungsspiele zur Nervenprobe werden. Die WM 2030 findet hauptsächlich in Spanien, Portugal und Marokko statt; zusätzlich sind drei Jubiläumsspiele in Argentinien, Paraguay und Uruguay vorgesehen. Es ist zu erwarten, dass auch dort wieder neue Panenkas, neue Baggios und neue Montiels entstehen – Namen, die man entweder für immer feiert oder leise bedauert. Denn eines bleibt sicher: Elf Meter sind im Fußball nie nur elf Meter. Sie sind die kürzeste Distanz zwischen Anonymität und Unsterblichkeit.