Die magische Zehn: Von Pelé bis Messi – und wer sie 2030 tragen wird

03.11.2026 12:30 Teams & Spieler

Keine Rückennummer im Weltfußball ist so sehr mit Mythos, Magie und Verantwortung aufgeladen wie die Nummer 10. Sie steht für den Spielmacher, den Künstler, den Unterschiedsspieler – und bei einer Weltmeisterschaft trägt sie traditionell derjenige, auf dessen Schultern die Hoffnungen einer ganzen Nation ruhen. Mit Blick auf die kommende Endrunde 2030 lohnt sich ein Blick zurück auf die legendärsten Zehner der WM-Geschichte – und auf die Frage, wer das Trikot dann tragen könnte.

Der Mythos beginnt bei Pelé. Schon als 17-Jähriger wurde er mit Brasilien 1958 in Schweden Weltmeister; es folgten 1962 und 1970 zwei weitere Titel. Das legendäre Team von Mexiko 1970 gilt bis heute für viele als eine der besten Mannschaften der Fußballgeschichte – mit Pelé als strahlendem Mittelpunkt im gelben Trikot mit der Zehn. Interessant: Dass die Nummer 10 überhaupt so eng mit dem besten Spieler verknüpft wurde, war 1958 tatsächlich teilweise Zufall. Brasilien hatte seine Rückennummern nicht rechtzeitig an die FIFA übermittelt, woraufhin sie zufällig vergeben wurden. Pelé, der zunächst noch Ersatzspieler war, erhielt so die Nummer 10, die er anschließend weltweit zum Symbol machte.

Zwei Jahrzehnte später übernahm Diego Armando Maradona das Erbe. Seine WM 1986 in Mexiko gilt als eine der herausragendsten individuellen Leistungen der WM-Geschichte: die „Hand Gottes“ und das Jahrhunderttor gegen England, dazu der Pass zum Siegtor von Jorge Burruchaga im Finale gegen die Bundesrepublik Deutschland. Maradona erzielte beim Turnier fünf Tore und bereitete fünf weitere vor und wurde mit dem Goldenen Ball als bester Spieler ausgezeichnet.

Nach Maradonas Tod gab es wiederholt Debatten darüber, die Nummer 10 in Argentinien symbolisch zu reservieren. Verbindlich umgesetzt wurde dies jedoch nie; die Nummer blieb im Nationalteam im Umlauf und wurde unter anderem von Juan Román Riquelme und Lionel Messi getragen. Weitere große Zehner prägten die Ära: Michel Platini war in den 1980er-Jahren das spielerische Herz der französischen Nationalmannschaft, führte Frankreich 1984 zum EM-Titel und 1986 bei der WM in Mexiko bis ins Halbfinale. Zinédine Zidane krönte 1998 den französischen WM-Triumph mit zwei Kopfballtoren im Finale gegen Brasilien. Rivaldo wiederum war 2002 Teil der brasilianischen Mannschaft um Ronaldo und Ronaldinho, die in Japan und Südkorea den fünften WM-Titel der Seleção gewann.

Mit Lionel Messi schloss sich 2022 in Katar der Kreis. Nach Jahren der Enttäuschungen führte er Argentinien zum dritten WM-Titel und wurde – nach 2014 – zum zweiten Mal mit dem Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Damit wurde Messi zum ersten Spieler, der die Auszeichnung zweimal gewann. Für viele war es die endgültige Krönung einer Karriere, in der er die 10 über fast zwei Jahrzehnte prägte. Eine ausführliche Übersicht aller Weltmeister und Rekordhalter findet sich in unserer WM-Geschichte.

Doch wer trägt die Nummer 10 im Jahr 2030? Sicher ist das natürlich noch nicht, aber einige Namen drängen sich auf. Bei Frankreich dürfte Kylian Mbappé ein aussichtsreicher Kandidat bleiben – schließlich trägt er die 10 bereits seit den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 und auch 2026. In England hat Jude Bellingham die Nummer 10 bereits bei der WM 2026 getragen und könnte sie auch 2030 weiter prägen. In Spanien könnte Lamine Yamal bis dahin in die Rolle des klassischen Zehners hineinwachsen – auch wenn er aktuell vor allem als Flügelspieler eingesetzt wird und bei der WM 2026 die 19 trug.

Bei Brasilien ist Vinícius Júnior ein naheliegender Kandidat für die Zukunft, auch wenn er 2026 noch die 7 trug und Neymar die 10 übernahm. Für Argentinien stellt sich die besonders spannende Frage, wer eines Tages Messis Erbe antreten wird. Thiago Almada, Nico Paz oder Franco Mastantuono könnten bis 2030 Kandidaten sein – wobei eine solche Prognose angesichts der noch langen Zeit ausdrücklich spekulativ bleibt. Messi selbst trug auch bei der WM 2026 noch die 10.

All diese Entwicklungen lassen sich auf dem Weg zur nächsten WM verfolgen. Die WM 2030 Qualifikation ist dabei allerdings noch Zukunftsmusik: Die europäischen Qualifikationswettbewerbe werden erst nach der EURO 2028 beginnen. Die UEFA hat für den Zeitraum ab 2028/29 bereits ein neues Format für Nations League und European Qualifiers beschlossen. Die UEFA-Qualifikation wird damit erst später konkret.

Eine wichtige Besonderheit von 2030 sollte dabei nicht fehlen: Gastgeber sind nicht nur Spanien, Portugal und Marokko. Dort findet der überwiegende Teil des Turniers statt, zusätzlich werden zur Feier des 100-jährigen WM-Jubiläums drei Spiele in Uruguay, Argentinien und Paraguay ausgetragen. Alle sechs Länder sind automatisch qualifiziert.

Fun Fact zum Schluss: Bei der WM 1974 trug Johan Cruyff für die Niederlande tatsächlich die Rückennummer 14. Die berühmte Nummer hatte er zuvor bei Ajax eher zufällig bekommen: Nach einer Verletzung nahm er 1970 das übrig gebliebene Ersatztrikot mit der 14 und spielte damit gegen PSV. Anschließend blieb er bei der Nummer – und machte auch sie zu einer Legende.

Manchmal wird eben auch eine andere Zahl zur Legende. Doch die Aura der 10 bleibt einzigartig – und 2030 wartet die nächste Bühne.