
Es ist eine der bemerkenswertesten Geschichten, die der asiatische Fußball derzeit zu erzählen hat: Der Irak, die „Löwen von Mesopotamien“, hat nach 40 Jahren Abstinenz tatsächlich den Weg zurück auf die große WM-Bühne geschafft. Bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko kehrte die Mannschaft erstmals seit ihrem einzigen WM-Auftritt 1986 in Mexiko zu einer Endrunde zurück. Damals verlor der Irak alle drei Gruppenspiele knapp. Nun richtet sich der Blick bereits auf die nächste Herausforderung – und auf die Frage, ob die Mannschaft auch die WM 2030 erreichen kann.
Ein wichtiger Teil der jüngeren Entwicklung war Jesús Casas. Der Spanier übernahm das Amt im November 2022 und führte den Irak im Januar 2023 zum Gewinn des Gulf Cup in Basra. Im Finale setzte sich die Mannschaft mit 3:2 nach Verlängerung gegen Oman durch. Auch beim Asien-Cup 2023, der im Januar 2024 in Katar ausgetragen wurde, überzeugte der Irak zunächst und gewann seine Gruppe mit drei Siegen aus drei Spielen. Im Achtelfinale folgte allerdings das Aus gegen Jordanien. Casas' Amtszeit endete im März 2025, als der Irak im Kampf um die WM-Qualifikation 2026 unter Druck geraten war. Mehr zu den Teilnehmern und zum Modus der asiatischen Ausscheidung gibt es in unserer Übersicht zur WM-Qualifikation Asien.
Inzwischen steht Graham Arnold an der Seitenlinie. Der Australier übernahm im Mai 2025 und führte den Irak schließlich über einen langen Qualifikationsweg zur WM 2026. Nach dem Verpassen eines direkten Startplatzes ging es über weitere AFC-Play-offs ins interkontinentale Play-off-Turnier. Dort besiegte der Irak Bolivien mit 2:1 und sicherte sich als 48. und letztes Team das WM-Ticket. Damit endete die 40-jährige Wartezeit tatsächlich – und Aymen Hussein wurde mit seinem Treffer zum 2:1 gegen Bolivien zu einem der entscheidenden Akteure dieser Qualifikation.
Im Mittelpunkt der Offensive steht weiterhin Aymen Hussein. Der 1996 geborene Mittelstürmer ist längst eines der Gesichter des irakischen Fußballs. Beim Asien-Cup 2023 erzielte er gegen Vietnam nach seiner Einwechslung zwei Treffer und hatte damit maßgeblichen Anteil am 3:2-Erfolg. Der Sieg sicherte dem Irak den Gruppensieg mit der perfekten Ausbeute von neun Punkten. Auch bei der WM-Qualifikation 2026 gehörte Hussein zu den entscheidenden Spielern: Im interkontinentalen Play-off gegen Bolivien erzielte er das zweite irakische Tor und machte damit die historische Rückkehr zur Weltmeisterschaft perfekt.
Neben Hussein stehen inzwischen weitere wichtige Akteure im Kader. Dazu gehören unter anderem Mittelfeldspieler Amir Al Ammari und der offensive Ali Jasim. Zidane Iqbal, der beim Manchester-United-Nachwuchs ausgebildet wurde, gehört ebenfalls zur jüngeren Generation. Der erfahrene Ali Adnan war dagegen noch Teil des irakischen Kaders beim Asien-Cup 2023, spielt für die aktuelle WM-Generation aber keine zentrale Rolle mehr.
Die Rahmenbedingungen für die WM 2030 bleiben für den Irak grundsätzlich interessant. Das Turnier findet in Spanien, Portugal und Marokko statt; zusätzlich werden drei Jubiläumsspiele in Uruguay, Argentinien und Paraguay ausgetragen. Alle sechs Länder sind automatisch qualifiziert. Die FIFA hat das 48er-Feld bereits für die WM 2026 umgesetzt. Für 2026 verfügte die AFC über acht direkte Startplätze plus einen Platz im interkontinentalen Play-off-Turnier. Ob die Startplatzverteilung und der konkrete Qualifikationsmodus für 2030 exakt unverändert bleiben, sollte allerdings erst nach der offiziellen Festlegung durch die FIFA und die AFC als Fakt dargestellt werden.
Für den Irak bedeutet das: Nach der erfolgreichen Rückkehr 2026 ist eine erneute WM-Teilnahme keineswegs ausgeschlossen. Gleichzeitig bleibt die Konkurrenz in Asien enorm. Japan, Südkorea, Iran, Australien und Saudi-Arabien zählen traditionell zu den stärksten Nationen des Kontinents. Dazu kommen Mannschaften wie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Usbekistan und Jordanien, die in den vergangenen Qualifikationszyklen ebenfalls gezeigt haben, dass sie um die WM-Tickets kämpfen können.
Erste Hinweise auf die Form der Mannschaft und den Weg zur nächsten Endrunde wird es geben, sobald FIFA und AFC den Qualifikationsmodus für 2030 festgelegt haben. Die genauen Spielpaarungen und Termine finden sich fortlaufend aktualisiert im Spielplan der WM-Quali.
Ein unterhaltsamer Fun Fact zum Schluss: Beim bislang einzigen WM-Auftritt vor 2026 verlor der Irak 1986 in Mexiko alle drei Gruppenspiele jeweils mit nur einem Tor Unterschied – 0:1 gegen Paraguay, 1:2 gegen Belgien und 0:1 gegen Gastgeber Mexiko. Der einzige irakische WM-Treffer dieser ersten WM-Ära gelang Ahmed Radhi beim Spiel gegen Belgien. 2026 schrieb Aymen Hussein die Geschichte weiter: Sein Tor gegen Bolivien machte den Irak zum WM-Teilnehmer und beendete die 40-jährige Wartezeit. Sollte Hussein auch 2030 noch dabei sein, könnte er die irakische WM-Geschichte endgültig prägen.