Die UEFA stellt ihre Qualifikation für Welt- und Europameisterschaften auf ein völlig neues Fundament. Am 20. Mai 2026 genehmigte das Exekutivkomitee in Istanbul das Grundkonzept, das sich stark an der Champions-League-Reform der Klubwettbewerbe orientiert. Am 15. September 2026 bestätigte das Gremium bei seiner Sitzung in Thessaloniki die nötigen Übergangsregeln für die laufende Nations-League-Saison 2026/27, um den Wechsel zum neuen Format reibungslos zu gestalten. Für die WM 2030 Qualifikation Europa (UEFA) bedeutet das den größten Modus-Wechsel seit Jahrzehnten.
Bislang spielten die europäischen Nationalmannschaften in klassischen Gruppen mit vier bis fünf Teams um die Tickets für die Endrunde. Ab 2028 löst ein zweistufiges Liga-System dieses Format ab, das eng an die neue UEFA Nations League gekoppelt ist.
Das Rahmenkonzept steht seit Mai 2026 offiziell fest: Die Nations League schrumpft von vier auf drei Ligen (A, B, C) mit je 18 Mannschaften, aufgeteilt in Dreiergruppen zu je sechs Teams. Jedes Team bestreitet sechs Partien gegen fünf unterschiedliche Gegner — ein Format, das an die Schweizer-System-Ligaphase der Champions League erinnert.
Für die eigentliche WM- und EM-Qualifikation entsteht daraus eine neue Zweiteilung: Liga 1 umfasst exakt die 36 Teams aus den Nations-League-Ligen A und B, aufgeteilt in drei Zwölfergruppen. Jedes Team spielt dort sechs Spiele gegen sechs verschiedene Gegner. Die drei Gruppensieger qualifizieren sich direkt für die Endrunde, die übrigen Plätze werden über Playoffs vergeben, an denen auch Mannschaften aus Liga 2 teilnehmen können. Liga 2 fasst die restlichen 18 bis 19 europäischen Verbände in drei Sechsergruppen. In Thessaloniki wurden im September lediglich Detail- und Übergangsregeln zur Nations-League-Saison 2026/27 nachjustiert, nicht das Rahmenkonzept selbst.
Wichtig für kleinere Nationalmannschaften: Nur wer in der Nations League mindestens Liga B erreicht, qualifiziert sich automatisch für die obere Liga in der WM-Qualifikation. Wer in Liga C der Nations League landet, startet auch in der WM-Qualifikation in der niedrigeren Liga 2 — die sportliche Form in der Nations League entscheidet also direkt über das Startniveau bei der WM-Quali.
Auch die Teilnahme der Gastgeber ist bereits offiziell geregelt: Das UEFA-Exekutivkomitee hat am 20. Mai 2026 beschlossen, dass die automatisch für die Endrunde qualifizierten Gastgeber dennoch an der regulären Qualifikation teilnehmen. Der Grund ist organisatorisch: Ihre Ergebnisse werden gebraucht, um ihre Platzierung für die anschließende Nations-League-Saison zu ermitteln.
UEFA-Präsident Aleksander Čeferin begründete die Reform mit dem Ziel, "bedeutungslose Spiele" zu reduzieren und ein "besseres sportliches Gleichgewicht" zu schaffen. Ausdrücklich betont die UEFA, dass dafür keine zusätzlichen Termine im ohnehin dichten internationalen Spielkalender nötig werden.
Zeitlich greift das neue System erstmals für die WM 2030 Qualifikation. Die WM 2030 wird als Turnier mit sechs Gastgeberländern ausgetragen: Hauptausrichter sind Spanien, Portugal und Marokko. Zusätzlich finden Eröffnungsspiele in Uruguay, Argentinien und Paraguay statt, die als Gastgeber ebenfalls automatisch qualifiziert sind. Die Qualifikationsspiele der übrigen europäischen Verbände sollen nach der EURO 2028 beginnen. Wie viele Startplätze Europa für die auf 48 Teams angelegte WM 2030 letztlich erhält, ist noch nicht final bestätigt — ebenso wenig wie die genaue Playoff-Struktur, die angepasst werden muss, weil 2030 deutlich weniger Tickets über die Relegation vergeben werden als zuletzt bei der WM-Qualifikation 2026. Einen laufenden Überblick zu Terminen und Ansetzungen bietet der Spielplan der WM 2030 Qualifikation.
Endgültige Klarheit über verbleibende Detailfragen wie die exakte Gruppeneinteilung oder das Playoff-Format dürfte erst mit der Auslosung nach der Nations League 2026/27 herrschen.